Rotwein auf seinem letzten Gefecht

Rotwein ist auf dem Rückmarsch. In zehn Jahren ging der Konsum international um zwanzig Prozent zurück – der Fleischkonsum parallel um zwölf Prozent. Weißweine gewannen im gleichen Zeitraum sechs Prozent.

Dieser Wunsch nach Weiß wird besonders durch den Aufstieg der vegetarischen Küche angetrieben, die von der jungen Generation mehr und mehr geschätzt wird.

Manchmal ist doch alles Rot oder Weiß

Verantwortung dafür tragen auch die Millennials – die Generation, die zwischen 1980 bis in die Ende der 1990er geboren wurden, also heute zwanzig bis vierzig Jahre alt sind. Sie lieben Aperitifs, nicht allein Aperol-Spritz. Wenn Rosé jetzt als Champagner dieser Generation gilt, profitieren auch die Weißen von der Tendenz weg von Rot.

Wer braucht überhaupt noch Rotweine, wenn er kein Fleisch isst? Rotweine kommen erst zu Fleisch richtig zur Geltung, was kein Geheimnis ist. Je pflanzlicher die Küche in einem Restaurant wird, desto weißer die Weinkarte. Dabei bieten die hellen Weine genug Variabilität, um sehr unterschiedliche Gemüsesorten zu bedienen. Im Herbst werden mit den Pilzen reichere Weißweine gewählt, wie die aus Burgund oder dem Rhônetal.

Meinungsumfragen auf der Spur von Rot und Weiß

Im Clover Green (Paris) bietet Sterne-Chefkoch Jean-François Piège ein Menü an, bei dem Weiß dominiert. Ein Gemüse-Eintopf mit einer Vielzahl von Aromen kann mit einem weißen Côtes-de-Duras und Haselnüssen der Domaine Mouthes Le Bihan begleitet werden. Viele Spitzenköche sind heute überzeugt, dass Weiße eine größere Anzahl von Paarungen mit Weinen erlauben als Rote. Gerade auch ohne Fleisch.

Wer ist der wahre Weinliebhaber?

Auch Meinungsforscher haben sich dem Thema Rot/Weiß auf ihre Art genähert. Gibt es Unterschiede zwischen typischen Rotwein- oder Weißweintrinkern?

Der Weißweintrinker ist eher ein Nachtschwärmer und extrovertiert, haben die Forscher ermittelt, mit einem kleinen Hang zur Punk-Musik. Sie sind neugierig, sarkastisch und perfektionistisch.

Der Rotwein-Trinker hingegen ist oft ein überzeugter „Weinliebhaber“ (und ein Frühaufsteher). Introvertierter Hundefan, der eher auf Jazzmusik steht, allerdings ist er nicht abenteuerlustig, bescheiden und organisiert. Er ist bereit, etwas mehr pro Flasche auszugeben (vierzig Euro).

Vier Gläser die Woche genügen

Ist der Rotwein-Trinker abenteuerlustig, kann er seinen Liebhaber-Anspruch auch untermauern: Er wusste eher, wie man ein Weinglas richtig hält und was Tannine sind oder wie lange es dauert, bis Wein oxidiert.

Der durchschnittliche Befragte trinkt vier Gläser Wein pro Woche (er nennt zumindest diese niedrige Zahl) und der beliebteste Ort zum Trinken – unabhängig von der Weinpräferenz – ist zu Hause.

Ob Rot oder Weiß

Neben dem Trinken im Komfort des eigenen Hauses ergab die Umfrage, dass 49 Prozent der Befragten gerne Wein trinken auf Veranstaltungen, lieber als in einer Bar. Während einer Veranstaltung werden drei Viertel getrunken – Rot oder Weiß – was eben alle anderen trinken, auch wenn sie etwas anderes – Rot oder Weiß – bevorzugen. Erstaunlicherweise erwähnte die Untersuchung nicht, was jeder aus seinem privaten Umfeld kennt: Frauen tendieren eher zum Weißwein, wie auch zu Gemüse. Und 8,9 Prozent der Frauen leiden unter einer Rotwein-Unverträglichkeit.